"Sicherheit und andere Irrtümer"

Leben ist tödlich

17.10.2017
"Sicherheit und andere Irrtümer"

 

Die Fahrradschloss Produzenten laufen den gewieften Dieben, mit neuen Features hinterher, bis auch diese in kürzester Zeit geknackt wurden. Ein bisschen wie das Katz - und Maus Spiel.
So ähnlich wirkt es manchmal auch bei der Anti - Doping Kommission, die laufen auch immer hinter den wahnwitzigsten Methoden und Präparaten von dopenden Athleten und ihren Ärzten hinterher, bis ein entsprechender Test für deren Nachweis entwickelt wurde.  Wie sicher und verlässlich die Tests sind, ist zumindest kontrovers.
Vor kurzem jährte sich der Tag der Deutschen Einheit, ein sogenannter Feiertag, aber mir war irgendwie nicht nach feiern zumute.
Soviel Mist, wie in letzter Zeit passiert. Nicht einmal ein Feiertag ist mehr sicher.

Die Mahner haben recht behalten, wenn sie sagen, es darf niemanden wirklich wundern, weil das Gespenst des Bösen und der Missgunst, vor allem in unseren Breiten, immer da war, und sogar höchste Ämter bekleidet hat.

Ich frage mich, wie (solch) ein zynischer Populismus der Gegenwart, hier zulande und in der Welt wieder geduldet wird, und wie die Vielzahl Vernünftiger, wohl erzogener, und vermeintlich gebildeter Leute, so etwas zulassen können?

Wo ist die Gewaltenteilung und wo sind die progressiven Kräfte im Land, die nicht nur Macht verwalten, sondern etwas wirklich besser machen, und mit Mut positiv verändern? Es klingt ziemlich düster, wenn man über Politik schreibt, ist es vielleicht auch, aber die Bevölkerung hat einfach eine Maske abgenommen.

In den meisten Fällen geht es vermeintlich um Sicherheit. Ein Bedürfnis, ein Gefühl, getragen von einem anderen, dem Gefühl der Angst, weil Angst zu oft die Gedanken regiert, und mit welchem vor allem in Wahlzeiten gespielt und manipuliert wird.

Ich bin auch dafür, etwas beim Namen zu nennen, und nicht das dumpfe Spiel der Verharmlosung mitzuspielen.

Da halte ich es mit Popper’s Paradoxum, keine Toleranz für Intoleranz.

Was die letzten Wahlen angeht, könnte man aber zumindest annehmen, dass trotz allem, die Mehrheit der in der BRD lebenden Deutschen gegen Hass und für eine friedliche Politik ist, ob jeder dafür auch einstehen würde, bleibt offen. Dafür bedarf es Courage.

Courage zu zeigen, fühlt sich jedoch für viele sicher erstmal unsicher an.

Dabei ist Courage der wichtigste Wert, um Angst zu entgegnen und bedeutet mehr, als nur keine Angst zu haben, denn jeder Idiot kann angstfrei agieren, dass heißt aber noch nicht, dass etwas auch Sicherheit gibt. Courage oder Mut ist etwas, dass gepaart mit Empathie vor allem Anderen ein Gefühl von Sicherheit verleihen kann.

Mut ist demnach das, was derzeit mehr denn je gebraucht wird und gestärkt werden sollte. Die jüngsten Proteste und zahlreiche Aktionen von Menschen gegen Formen von Diskriminierung und Korruption geben Anlass zur Hoffnung.

Es gibt einige, die sich zu recht verwundert fragen, ob die Leute hier, in der westlichen Welt wissen, wie das Leben anderswo aussieht und unter welchen Verhältnissen andere leben (müssen).

Wir wissen sehr oft nicht, das zu schätzen, was wir haben. Da hilft es ungemein, den Kopf mal aus den gewohnten, kulturell bekannten, nationalstaatlichen vier Wänden herauszustecken.

Ich erinnere mich an eine ähnliche Atmosphäre wie aktuell, in den 89/90iger Jahren, als ich die Bilder der Wirtschaftsflüchtigen aus Ost- Deutschland in den Nachrichten gesehen habe, zeitgleich meine Familie in West Berlin besuchen fuhr und mich als Teenager lange dafür fremd geschämt habe, wie die Landsleute aus dem Osten, nach ihrem “Begrüßungsgeld” lechzten und dann vor den vielen LKW’s standen und bettelnd geschrien haben, wenn es Kaffee oder Bananen umsonst gab’.

Eine Verhaltensweise, die ich auf meiner letzten Reise in Vietnam nicht einmal erlebt habe, vielleicht auch, weil dort Früchte und Kaffee wachsen. Egal wie arm die Menschen zu sein schienen, es hat mich niemand angebettelt. So fremd und chaotisch es kulturell für mich an einigen Stellen dort schien, soviel sicherer fühlte ich mich in den Straßen dieser fremden Welt in Asien, obwohl es im Straßenverkehr zunächst keine Regeln zu geben schien.       Das soll schon etwas heißen. Dabei war die gesamte Reise zunächst unsicher, aber ich hatte großes Glück, da ich zwischen zwei Taifunen das Land besuchte, welches schwer getroffen wurde und Opfer zu beklagen hat, obwohl die Unwetter schon sehr früh vorausgesagt und Menschen in "Sicherheit" gebracht wurden.

Bei uns werden Gewalt und Drogen zur Normalität, und sogar Jugendliche betteln oder beschimpfen Dich, um ein paar Groschen. Obwohl wir ein Meer an Regeln und Gesetzen haben, wird die Gesellschaft nicht sicherer, weil es um den Umgang der Menschen mit und innerhalb der Regeln geht.

Vielleicht war meine Haltung den Ossi - Landsleuten gegenüber damals nicht ganz fair, da ich eben Dank meiner Verwandten im “Westen” manchmal Obst und Comics genießen konnte, die sonst unüblich im russischen Sektor des Nachkriegsdeutschlands waren. Trotz allem war es in der Rückschau meine ganz persönliche “Sonnenallee”- Szene.

Was soll man erwarten? Wie sollte man sich verhalten? Andere Kulturen, andere Sitten, andere Menschen, andere Mentalitäten. Wie sicher ist das?

Mein heutiger Blog wurde vor allem von einem Teamevent inspiriert, dem ich vor kurzem wieder beiwohnen durfte und welches ich als Maßnahme auch schon öfter mit Freunden und Kollegen diskutiert habe. Eine internationale Gruppe von Mitarbeitern ist in einen großen super angelegten Klettergarten gefahren, um sich besser kennenzulernen.

Einige Bekannte sagen: “…was für ein Blödsinn, das bringe niemanden zusammen.”. Soweit ich mitbekommen konnte, haben alle Teilnehmer das Gegenteil behauptet, egal ob man viel miteinander sprechen konnte oder nicht, und unabhängig davon, dass es allen gefallen hat. Dazu komme ich aber im Laufe meiner Ausführungen noch mal zurück. Worum geht es in erster Linie? Es geht um die Frage, wie weit jeder bereit ist, ein Stück weit aus seiner Komfortzone zu kommen, sich den eigenen Ängsten zu stellen, um Neues und Unerwartetes erleben und entdecken zu können. Die Organisation versucht damit einen Veränderungsprozess anzuschieben.

Wie heißt es so schön bei Dean Leffingwell: “The last thing that changes in an organization is the Culture”. Read more at: http://www.scaledagileframework.com/about/

Nur gut, wenn man dann als Neuer in einer Organisation Willkommen geheißen wird und nicht mit Steinen beworfen, denn wenn man neu irgendwo ankommt, dann ist man erstmal fremd.

Als ich als Volleyball Profi ins Ausland ging, war sehr viel ungewiss, aber gerade das liebte ich daran.  Das Abenteuer. Neue Teams, andere Umgebungen. Alles ungewohnt und aufregend, wie ich fand.

Ich wurde ein Fremder in der Fremde. Was sich ein bisschen anfühlte, wie Minus und Minus ergibt Plus. Es war plötzlich nicht mehr so fremd, mit all den anderen Fremden, weil die nämlich ähnliche Erfahrungen gemacht haben und die Sprache zum Teil genauso wenig sprachen, wie ich. Eines hatten wir aber alle mit den “Einheimischen” gemeinsam, eine Leidenschaft für Volleyball.

Wir konnten etwas besonders gut und haben dafür auch besondere Anerkennung erfahren. Das hat einiges erleichtert. Wir verstanden uns im Nichtverstehen hervorragend, wo andere sich in gewohnter Kultur und Umgebung bewegten, also bestimmt auch mit höherem Sicherheitsempfinden, war für mich vieles neu, von der Sprache angefangen.

Da habe ich wirklich gelernt, wie wichtig Sprache und vor allem non-verbale Kommunikation ist, um im Alltag hoch komplexer Systeme und Anforderungen zu bestehen und welche Bedeutung das “wording” hat, also einzelne Wörter und ihre emotionale Bindung.

Natürlich gibt es vieles zu verbessern und täglich Dinge die einen ärgern, aber irgendwie sind wir alle ein ganzes Stück weit auch selbst für unser Lebensglück verantwortlich. Für die freudlosen und unglücklichen Situation im Leben sollten wir uns zuerst bei uns selbst beschweren, getreu dem Michael Jackson Song: “… I start with the man in the mirror!”, um nicht Leute verantwortlich zu machen, die einen gar nicht kennen oder Fremde, die gerade erst angekommen sind. Egal wo. Ob es sich um neue Kollegen oder Nachbarn handelt.

Allzu häufig ist die Reaktion von Mitarbeitern in Unternehmen, die versuchen, mit Hilfe von Scrum Coaches besser zu werden und sich agil aufzustellen, ähnlich. Einige sind offen und nehmen die Herausforderungen gerne an, andere sind sehr reserviert oder sogar ablehnend, bis sie merken, dass sich nichts verbessert, wenn man es nicht in erster Linie selbst will, sich ein Stück weit öffnet und auch etwas dafür tut. Es dauert eine Weile, bis auch diese Kollegen erkennen, dass Coaches vor allem da sind, um sie zu unterstützen und das Arbeitsleben einfacher zu gestalten, was auch bedeutet, mehr Freiheit zu generieren. Das geht aber nur zusammen und mit Verständnis von allen Beteiligten.

In vielen Unternehmen gibt es eben auch noch andere Aspekte von Sicherheit, die einen Einfluss auf die tägliche Arbeit haben. Dabei handelt es sich um gesetzliche Bestimmungen, Standards, Normen und Richtlinien. Gesellschaftliche oder politische Vorgaben, die von “Unternehmen” eingehalten werden “müssen”.

Diese scheinen unumgänglich oder unveränderbar zu sein, obwohl auch sie irgendwann einmal von Menschen gemacht wurden und von Menschen wiederum befolgt oder nicht befolgt und eventuell sogar wieder verändert werden. Übersetzt gelten sie also für die Mitarbeiter dieser Unternehmen.

Der Kapitalismus versucht uns permanent Organisationen oder genauer gesagt Unternehmen als Personen zu verkaufen. Das führt dazu, dass wir sie auch wie Personen behandeln und beurteilen. Dabei werden sie zwar von Personen juristisch vertreten oder als solche behandelt. Im Grunde ist es aber falsch, denn eigentlich sind es viele Menschen, die ein Unternehmen wirklich charakterisieren.

Auch hier haben meine Eindrücke in Vietnam vieles in ein anderes Licht gerückt, wie zum Beispiel das Verkehrssystem im Vergleich.

Eine menschenzentrierte Entwicklung schaut nicht in erster Linie auf die Gesellschaftsform einer Firma, sondern auf die Gesamtheit der Menschen innerhalb der Organisation.

Es braucht bekanntlich nicht Viele, sondern nur die Richtigen, um etwas positiv zu verändern. Das dauert meist nur eine Weile. Außerdem ist solch ein Prozess auch sehr unsicher. Am besten ist deshalb, man selbst ist diese Person. Kaputtmachen geht dagegen immer schnell und wesentlich einfacher. Das ist sicher.

Ganz spannend ist die Betrachtung, dass Menschen sich gerne in Sicherheit wägen wollen und sich dafür vor allem Fremdem verschließen, als gehe Gefahr von Unbekanntem aus. Obwohl statistisch gesehen, das Gegenteil der Fall ist. Ein Stück weit vielleicht auch, weil man bei ungewissem Ausgang, die Dinge mit mehr Konzentration angeht!?

Dieses interessante Phänomen kann man in einer Studie zum "The Get-home-itis Syndrome:” begutachten. https://www.bea.aero/etudes/gethomeitis/gethomeitis.htm

Das soll heißen, dass die meisten Fehler aufgrund von Unaufmerksamkeit passieren, weil man sich besonders sicher fühlt, oder weil Druck erzeugt wird und man unter allen Umständen noch nach Hause will, oder um jeden Preis Ergebnisse erzielen muss.

Kommt Euch bekannt vor?

Traurige Beweise dafür sind viele verfehlte Flugzeug Landungen zwischen 1991 - 1995 oder das Schiffsunglück vor Capri (Italien) vor einigen Jahren, bei dem der Kapitän die Route wie seine Westentasche kannte, aber besonders nah an der Insel vorbeifahren wollte, um den Passagieren zu beweisen, wie cool er ist und als der Rumpf des Schiffes aufriss, als Erster von Bord ging. Nur um einige bekannte Beispiele zu nennen.

Einer meiner ehemaligen Coaches Mirko Culic hat oft von Fehlern und falschen Entscheidungen gesprochen. Der eigentliche Unterschied ist die Intention, also ob ich etwas bewusst mache und eine Wahl habe.

Eine falsche Entscheidung erkennt man mit Sicherheit nachdem man sie getroffen hat und das Ergebnis ein anderes ist, als man mit der Entscheidung erzielen wollte.

Fehler werden so gut wie nie absichtlich gemacht. Ein Fehler wird demnach unbewusst begangen. Er basiert auf einer Handlung, die dem aktuellen Erfahrungsschatz und Kenntnisstand entgegen steht und somit meist einen Widerspruch zum logischen Schluss darstellt.

Eine unlogische Diskussion im Kontext von Sicherheit ist in meinen Augen zum Beispiel die Flüchtlingsdebatte, oder die Haltung vieler Menschen bestimmter Glaubensrichtungen gegenüber. Wenn jemand an den Weihnachtsmann glauben möchte, dann lassen wir ihn doch.

Was soll man erwarten? Wie sollte man sich verhalten? Andere Kulturen, andere Sitten, andere Menschen, andere Mentalitäten. Ist das sicher? Man weiß es nicht. Passieren kann überall und jederzeit etwas, dass man nicht geplant oder erwartet hat. Irgendwie können wir unsere Leben auch nur bedingt planen. Ist es nicht auch die Ungewissheit, die das Leben ausmacht?

Innovative Menschen sehen dort sicherlich einen Reiz, Neues zu gestalten. Das kann zumindest auch erstmal Angst machen, vor allem dieses Ungewisse. Eine Reihe von Filmen hatten diese Frage schon zum Thema, wie “Und täglich grüßt das Murmeltier” oder “The Curious Case of Benjamin Button”.

Mit der Frage von Unvorhersehbarkeit oder Ungewissheit haben es viele Menschen zu tun, die in Forschung und Entwicklung arbeiten. Innovation und Forschung lebt davon, dass es so viel Unsicherheit gibt. Macht man die Unsicherheiten mal nur gedanklich sicher, was würde dann wohl passieren? Dann gäbe es auch wohl erstmal keine Capabilities mehr. Eigentlich wären dann alle Anforderungen klar, die Lösungen sicher und die Entwickler überflüssig.

Dann bräuchte man vielleicht “nur noch” jemanden, der die Sicherheit ausformt, ausschreibt, zu Ende baut, umsetzt, integriert und dokumentiert. Fertig. Ideen sind dann wohl viel weniger gefragt.

Wir alle werden bei unserer Arbeit zu Robotern oder gehen im Wortsinne stempeln, und die Innovation und ihre Freiheit für Teams und Mitarbeiter wären dann Geschichte. Ist es das, was wir wirklich wollen, Sicherheit?

Oder sind es viel mehr die Antworten, die wir aus den ungewissen Fragen generieren. Anders formuliert, sind es neue Erkenntnisse und Learnings.

Der Nachmittag im Klettergarten war ein großer Erfolg, bei dem nämlich die Vorurteile und Grenzen zwischen den Menschen (wie Herkunft und Sprache) spürbar schwanden, weil beim Klettern und Hangeln, alle ein ähnliches Bauchgefühl hatten, dass es zu überkommen galt, und sie haben es alle mit Bravour gemeistert. Eine Erfahrung die alle geteilt haben und bestimmt auch ein Stück weit mehr Verständnis für die Situation und das Empfinden des Anderen entwickeln konnten, obwohl man nicht immer die gleiche Sprache spricht, bzw. versteht.

Zumindest haben alle ihre Angst abgelegt, sich aus der vermeintlich sicheren Umgebung heraus bewegt und eine Grundlage zu mehr Austausch,Verständnis und Vertrauen für die künftige Kooperation geschaffen. Sie haben gelernt, wie der eine oder andere reagiert, wenn es mulmig wird, haben Hilfestellung geleistet.                                Ein großer Schritt auf einander zu.

Im Übrigen kehrte sich die Sicherheitsfrage kurzerhand um, denn einige der Leute, die nicht kletterten, sondern am Boden auf ihre Freunde warteten, wurden aufgrund des stärker werdenden Windes, fast von herunterfallenden Ästen getroffen.

Es machte in diesem Augenblick mehr Sinn, zwischen den Plattformen angegurtet im Parcours zu hängen oder auf dem Baum zu sein, als unter ihnen zu stehen.

Sicherheit ist somit eine schöne Illusion.

Wie soll man sich also verhalten?

Man weiß es nicht. Passieren kann überall und jederzeit etwas, dass man nicht geplant oder erwartet hat.

Also lasst uns so verhalten, dass Großartiges ganz unerwartet passiert, also dass aus dem Wald etwas heraus schallt, worüber man sich freut und was man gerne und von Herzen vorher hineingerufen hat.

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